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Militär setzt mittlerweile oft gewerbliche Technologien ein

The New York Times:10. März 2003

Von SIMON ROMERO


Wenn die Vereinigten Staaten in den Irak einmarschieren, wird ein Großteil der von den bewaffneten Kräften eingesetzten Informationstechnik seinen Ursprung in eher kommerziellen denn in militärischen Initiativen haben - was einen Schritt weg von der Art und Weise bedeutet, wie das US-amerikanische Militär früher die für die Kriegführung notwendige Kommunikation entwickelte.

Technologien wie Kleidung mit eingewobenen optischen Fasern, am Kopf angebrachte Computerdisplays, globale Satellitentelefone, improvisierte drahtlose Netzwerke und robuste Laptop-Computer, die das Militär im Irak oder in künftigen Konflikten einsetzen kann, sind größtenteils aus Ideen entstanden, die ursprünglich im Silicon Valley und anderen gewerblichen Enklaven erdacht wurden.

"Das Militär hat seit 20 Jahren nichts Bedeutendes mehr im Bereich der Kommunikation zu entwickeln versucht, weil dies lange dauerte und nicht gerade billig war," sagt Alan D. Campen, ein pensionierter Colonel der Air Force, der viel über die Verwendung von Informationstechnik in bewaffneten Konflikten geschrieben hat.

Effizienz am Markt könne sich in einen militärischen Vorteil verwandeln, müsse es aber nicht, sagte Colonel Campen.

"Die größeren Auswirkungen der Anpassung gewerblicher Technik an das Militär sind noch nicht bekannt," meinte er, " da wir noch nicht viel Erfahrung damit haben, den Truppen der unteren Ebene große Informationsmengen in die Hand zu geben und es den höheren Ebenen zu überlassen, herauszufinden, was das bedeutet."

Viele der neuen Technologien, die vom Militär schon verwendet werden oder vorgesehen sind, wurden darauf zugeschnitten, das Einholen und Analysieren von Informationen für Truppen im Kampfeinsatz zu erleichtern. Dazu gehören die robusten tragbaren Computer von Itronix, einem Unternehmen in Spokane, Bundesstaat Washington, das kürzlich einen Auftrag vom Verteidigungsministerium zur Entwicklung mobiler Computerdienste erhielt. Die Computer werden aus Itronix-Geräten entwickelt, die schon im gewerblichen Einsatz sind.

Ein Laptop, den Itronix nach militärischen Vorgaben angepasst hat, hält Sturzregen von 10 cm pro Stunde und Temperaturen zwischen -12°C und 65°C aus und verfügt unter anderem über eine Tastatur, die im Dunklen leuchtet, sowie einen Bildschirm, den man auch bei praller Sonne gut erkennen kann. Der Laptop, der für gewerbliche und militärische Kunden 4.500 USD kostet, funktioniert auch mit verschiedenen Funksystem, zum Beispiel mit der Mobilfunktechnologie, die oft von großen gewerblichen Anbietern im Drahtlos-Bereich verwendet wird.

Dennoch liegt das Militär als Nutzer von Laptops von Itronics noch hinter großen Unternehmen zurück. Die größten Kunden des Unternehmens sind Unternehmen wie Sears, Roebuck, wo man Itronix-Ausrüstungen für 10.000 mobile Reparaturdienstmitarbeiter einkaufte. BellSouth, die große Telefongesellschaft in Atlanta, nutzt ebenfalls Itronix-Laptops für seine Kundendiensttechniker.

"Die Landesverteidigung macht bisher noch keinen großen Teil unseres Geschäftes aus, aber wir hoffen, dass das in Zukunft so sein wird," sagt Tom Turner, Unternehmensdirektor von Itronix.

Bis vor zwanzig Jahren war es so, dass die militärische Kommunikationstechnik zivile Anwendungen eher säte, als daraus erntete. Die derzeitigen Drahtlosdienste, die amerikanische Anbieter wie Verizon Wireless und Sorint PCS im Programm führen, sind Ableger der militärischen "Spread Spectrum"-Funktechnologie, die während des Zweiten Weltkrieges erstmals in Gebrauch kam. Für das Militär gestattete es diese Technologie der Bandspreizung, Signale über mehrere Frequenzen zu verteilen und sie vom Empfänger wieder auf die Originalfrequenz bringen zu lassen, wodurch es erschwert wurde, den Funkverkehr zu stören oder abzuhören.

Später, Anfang der 80er Jahre, waren die gewerblichen Möglichkeiten der Spread-Spectrum-Kommunikation für Dr. Irwin Mark Jacobs, einen ehemaligen Hochschullehrer für Ingenieurwesen am Massachusetts Institute of Technologie, Anlass zur Gründung von Qualcomm. Das Unternehmen hat inzwischen eine ansehnliche Geschäftstätigkeit aufgebaut, und zwar mit der Entwicklung eines Portfolios mit Patenten für Verbesserungsmöglichkeiten der Spread-Spectrum-Technik für zivile Zwecke. Die Vorteile für gewerbliche Anbieter wie Verizon sind die Klarheit der Signale und die relativ effiziente Nutzung der Bandbreite, da gestreute Signale kaum andere übertragungen stören - selbst auf derselben Frequenz nicht.

Auch heute noch werden in einigen Fällen Anstrengungen unternommen, militärische Kommunikationstechnik auf zivile Anwendungen umzustellen. Zum Beispiel versucht MeshNetworks, ein neu gegründetes Unternehmen in Maitland, Florida, ein drahtloses System, das ITT Industries in den 90er Jahren für das Militär entwickelte, gewerblich nutzbar zu machen. Die Technologie von MeshNetworks gestattet es Nutzern, ohne Einrichtung von Mobilfunk-übertragungsstationen oder voluminösen Umschalteinrichtungen miteinander zu kommunizieren. Stattdessen verwandelt das Netzwerk, das ursprünglich als System für Truppen unter Gefechtsbedingungen ausgelegt war, im Grunde das Equipment eines jeden Nutzers in einen Ad-hoc-Transmitter für Stimme und Videobilder zu verwandeln.

Rick Rotondo, Leiter für Technikmarketing bei MeshNetworks, sagte, dass das Unternehmen Interessensbekundungen für diese Technologie von städtischen Vertretern des Katastrophenschutzes im gesamten Land erhalten hätte.

Das beliebte Global Positioning System ist ganz ähnlich aus einem Projekt entstanden, das ursprünglich in den 70er Jahren vom Verteidigungsministerium erdacht wurde und das Empfänger auf der ganzen Welt in die Lage versetzte, Ortungssignale aus einem Umlaufsystem mit 24 Satelliten aufzunehmen. Es waren jedoch die zivilen Anwendungen des GPS -- für Bootskapitäne und Wanderer, Armaturenleitsysteme in Autos oder ortungsempfindliche Mobiltelefone -- die Innovationen und Verbesserungen in diese Technologie eingebracht haben.

Selbst in solchen Fällen, wo das Militär eine aktive Rolle in der Entwicklung neuer Technologien spielt, geht es zuweilen mit einem Ansatz in neuem Stil vor, indem es als Inkubator für Neugründungen von Unternehmen wirkt. Zum Beispiel im Projekt Applied Communications and Information Networking (Netzwerk für angewandte Kommunikation und Information) in Camden, New Jersey, wo die Army kleinen Unternehmen Büroräume bietet, die Dienste wie zum Beispiel Verschlüsselungssysteme für drahtlose Telefone entwickeln.

Und im Army Soldier Systems Centre in Natick, Massachusetts, das verantwortlich für die Entwicklung von Systemen für Soldaten im Feld ist, sind junge Unternehmen an zahlreichen Projekten beteiligt, wie der Entwicklung am Körper tragbarer Computer (hier werden kleine Computer oder optische Fasern in Kleidungsstücke eingewoben oder daran befestigt). Schließlich hoffen die Entwickler dieser tragbaren Computer, das die Geräte zur übersetzung von Fremdsprachen oder Verfolgung von Objekten beitragen könnten. Xybernaut von Fairfax, Virginia, ist einer von mehreren Herstellern am Körper tragbarer Computer, die ihre Produkte an das Verteidigungsministerium verkaufen. Die kleinen Computer des Unternehmens, die auch an Zivilisten verkauft werden, können am Handgelenk oder am Gürtel angebracht oder in einem Rucksack untergebracht werden und sind bei den Marine Corps, der Air Force und der Navy für Wartung und Reparatur von Feldausrüstungen im Einsatz.

Das vielleicht beeindruckendste Beispiel für die übernahme ziviler Kommunikationstechnik durch das Militär ist das globale Telefonnetzwerk Iridium, ein satellitengestütztes drahtloses Kommunikationssystem. Motorola und andere Investoren haben in den 90er Jahren mehr als 5 Milliarden USD darauf verwendet, Iridium zu einem gewerblichen globalen Satellitentelefonsystem auszubauen, mit dem Ergebnis, dass das Unternehmen 1999 vor dem Konkurs bewahrt werden musste, weil es nicht viele Kunden gewinnen konnte.

Das Verteidigungsministerium rettete Iridium im Jahr 2000, indem es mit den neuen Eignern des Unternehmens, Iridium Satellite aus Leesburg, Virginia, eine Vereinbarung im Wert von 72 Millionen USD über zwei Jahre aushandelte, um unbegrenzten Zugang zu diesem Netz zu haben, in dem Nutzer fast überall auf der Welt Anrufe tätigen oder Textmeldungen senden oder empfangen können. Das Pentagon beauftragte General Dynamics mit der Entwicklung spezieller Entschlüsselungsdienste und baute für 200 USD eine Bodenstation auf Hawaii, die als Gateway für Iridium-Gesprächsverbindungen dienen soll.

Das Verteidigungsministerium erneuerte seinen Vertrag über Verbindungszeiten mit Iridium über 36 Millionen USD im vergangenen Dezember, so dass etwa 20.000 Regierungsmitarbeiter das System weiterhin nutzen können. Warren Brown, ein Sprecher von Iridium, sagte, dass das Verteidigungsministerium weiterhin der größte Kunde des Unternehmens sei, dass jedoch große Verträge mit zivilen Kunden eine zunehmend wichtige Rolle im wiederbelebten Geschäft von Iridium spielten.



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